Eine entspannte Scheunenhochzeit mitten im Grünen wünschten sich Julia und Johann für ihre Hochzeit. Den Ort, an dem sich alle wohlfühlen sollten und wirklich Zeit füreinander hatten, fanden sie mit Gutshof Langensee. Und so verbrachten sie mit ihren Familien und Freunden ein Wochenende mit Kennlern-BBQ am Freitag, Scheunenhochzeit am Samstag und Bayrischem Katerfrühstück am Sonntagmorgen – dokumentiert von Nils Hansenau, Hochzeitsfotograf aus dem Netzwerk der Bildpoeten.

Die beiden Wahl-Berliner wuchsen beide eher ländlich auf und wünschten sich ihren Hochzeitstag in einer solchen Atmosphäre. Der Gutshof Langensee im Herzen Mecklenburgs eignete sich mit seinem weitläufigen Gelände am See perfekt: „Wir waren bereits bei der ersten Besichtigung in diesen magischen Ort verliebt. Der Gutshof entsprach einfach uns: Altes wurde liebevoll, aber stilvoll aufgearbeitet. Und das haben wir auch in unsere Deko übernommen“, beschreibt Julia ihre Hochzeitslocation.

Gemeinsam mit Julias Trauzeugin und ihrer Familie verbrachten Julia und Johann eine Woche auf dem Gelände. Neben herrlicher Entspannung vor der Hochzeit konnte sie so alles wichtige direkt vor Ort vorbereiten.

Während am Vortag die Sonne vom Himmel schien, zeigte sich der Hochzeitstag bewölkt und regnerisch bei 16 Grad. Aber die Hochzeitsgesellschaft ließ sich ihre gute Laune nicht verderben – und während sich Braut und Bräutigam beim Getting-Ready umzogen, packten die Gäste kurzerhand mit an und trugen einen Zeltpavillion zum geplanten Trauort. Und das leckere, selbstgemachte Kuchenbüffet für den Sektempfang hielt den Regentropfen dank zwei großer Regenschirme stand.

Nach der Trauzeremonie und ersten Gratulationen war der Sektempfang und gemeinsames Kaffeetrinken und Kuchenessen angesagt. Statt einer Hochzeitstorte steuerten Julias Mutter und ihre Freundinnen hausgemachte Hochzeitskuchen bei.

„Die Gäste sollten einfach nach der Trauung essen, trinken und quatschen. Das war uns wichtiger als ein Anschneiden der Hochzeitstorte. In der Zeit haben wir uns auf den Steg des Sees verkrümelt und das Treiben aus der Ferne – bei einem Glas Sekt – beobachtet und dazu der Jazz-Band gelauscht.“

Und das Wetter spielte am Nachmittag auch mit: Der Regen hört auf und so konnten Julia und Johann gemeinsam mit ihrem Hochzeitsfotografen Nils ihr Paarshooting rund um den Gutshof, in der Weite der Felder, in aller Ruhe absolvieren.

Julia und Johann erinnern sich: „Wir sind mit dem halben Haushalt zur Location angereist. Unser Auto platzte aus allen Nähten, weil wir Messingkerzenständer, Blumenvasen und viel Deko selbst angeliefert haben. Denn wir wollten etwas, das uns entspricht – viel Grün und viel Persönlichkeit.“

Während Johann die Details besonders im Blick hatte, war Julia wichtig, dass der Aufwand immer dem Nutzen entsprach. Beide verbrachten viel Zeit mit Recherche während der Hochzeitsplanung: „Hundert Anrufe, umso mehr Mails, viele Kompromisse, die nach und nach zu einem großen Ganzen wurden.“

Dabei orientierte sich ihre Planungsphilosphie daran, den Fokus auf gewisse Details zu legen, mit viel Persönlichkeit ihre Hochzeit zu gestalten, aber immer unter den Gesichtspunkten „a) nicht um jeden Preis und b) nicht mit jeder Zeit“.

So erleichterte ihre Grundsatzfrage viele Entscheidungen: „Würde der Aufwand dem Nutzen entsprechen? Nein? Dann lassen wir das und konzentrieren uns auf unsere wichtigsten Themen.“

Einladungen, Platz- und Menükarten gestaltete Johann als Grafiker selbst. Daneben verbrachte er Stunden damit, alte Weinflaschen zu sammeln und abzuholen, von ihren Etiketten zu befreien, abzukleben und mit Goldfarbe zu besprühen.

Diese Flaschen gaben den langen Tafeln am Hochzeitsabend ihr charakteristisches Aussehen. Wahlweise waren die Flaschen mit Stabkerzen, einzelne Hortensienblüten und Blättern bestückt. Für den individuellen Look sorgte zudem die gemusterte Tischdecke – eine 40 Meter lange Stoffbahn vom Möbelschweden!

„Das war nicht nur günstiger, sondern auch schicker als weiße Mietwäsche“, beschreiben die beiden ihre Wahl. „Wir haben zudem den gesamten Kerzenbestand der örtlichen Drogerie geplündert und zehren auch nach anderthalb Jahren noch von diesen Vorräten.“

Was war euer schönster Hochzeitsmoment?

„Julias Opa, der sich während der Feier neben mich setzte, mir die Hand auf die Schulter legte und einen einzigen Tipp für die Ehe gab: ‚Nie ins Bett gehen, wenn man sich nicht ausgesprochen hat.‘ Zudem war er ganz begeistert davon, wie viele junge, nette Menschen da waren. Insgesamt waren ja nur 12 Personen über 40“, sagt Johann.

„Generell die tolle Zeit mit meiner Trauzeugin und ihrer Familie an diesem tollen Ort und der liebevollen Begleitung durch die Hausherrin Caroline Olbrisch“, erinnert sich Julia. „Und auch wo unsere Gäste teilweise her gekommen sind, aus Amerika und Afrika. Aber bedeutend war der Moment, als mein Papa zu mir gekommen ist und er mich an der Hand den Weg durch den Garten über die Wiese zum Rednerpult für die freie Trauung begleitet hat. Meine Nichten und Neffen waren die Blumenmädchen. Es war kurz, aber intensiv. Das war mein ‚Prinzessinnen-Moment‘. Und der Ehefrau-Moment kam beim Hochzeitstanz. Einen Tag vorher haben wir ihn ‚geübt‘ und die Band hat das Lied einfach so toll live gespielt, dass um mich herum alles egal war. Es war einfach nur schön.“

Welche Tipps habt ihr für alle zukünftigen Bräute?

„Übernehmt euch nicht. Ihr braucht nicht alles. Werdet euch klar darüber, was ihr nicht nur an Geld, sondern auch an Zeit investieren wollt und streicht auch mal eine Sache mehr von der Liste. Nicht alles sind Must Haves.

Seid euch sicher, was eure Must Haves sind. Bei uns waren es das gute Essen und auch der Fotograf. Denn Budget ist Budget. Muss alles darüber hinaus wirklich sein?

Es muss nicht alles perfekt sein. Die meisten sehen die Details, auf die ihr so viel Acht gegeben habt, sowieso nicht. Johann hat z. B. unsere Einladungen selbst gemacht und unheimlich viel Zeit investiert um den perfekten Wurf hinzubekommen. Irgendwann, nach einer spontanen Nachtschicht, saß dann alles … bis auf das Papier. Nachdem dann wieder ein paar Wochen ins Land gezogen sind, war der Versand dann doch wichtiger als die Perfektion.

Nicht alles läuft immer rund. Der Grill des Caterers gibt spontan den Geist auf, es wird der falsche Wein ausgeschenkt, die Übergänge von Song zu Song sind rumpelig, statt 30°C wie am Vortag sind es nur noch 16°C und Regen. Es gibt immer eine einfache Lösung und vor allem tatkräftige Hilfe aller Gäste, die mit anpacken, um das Zelt aufbauen, um während der Trauung nicht im Regen zu sitzen, selbst zum DJ werden oder sich bis zum nächsten Gang mit Brot und Dips begnügen. Im Nachhinein werden sie sich sowieso nicht an das erinnern, was schief ging, sondern die großartigen gemeinsamen Momente, die wilde Party und die netten Leute. Der sonnige Tag, die tolle Location und das gute Essen sind nur der Bonus.

Nehmt Hilfe in Anspruch – zusammen macht es sowieso mehr Spaß. Für Freitag und Sonntag haben wir die Hilfe von der Hausherrin/Weddingplanerin in Anspruch genommen, um uns voll und ganz auf unsere Momente konzentrieren zu können und nicht nebenbei auch noch durch die Gegend rennen, Besteck und Getränke besorgen und dekorieren zu müssen. Außerdem hat Julia am Tag der Hochzeit so viel wie möglich an ihre Trauzeugin ausgelagert. Ihr war es nicht so wichtig, dass alles perfekt war, sondern es sollte einfach fließen. So war es leider, dass auf dem Bild der Hochzeitsgesellschaft einige Gäste nicht drauf sind, weil sie zu dem Zeitpunkt der Aufnahme nicht an Ort und Stelle waren. Das Bild wurde spontan aufgenommen. Aber hey, wir wissen, sie waren da.

Kauft nicht zu viel Deko ein, die ihr später nicht mehr brauchen werdet. Unsere Kerzenständer gab es günstig bei eBay, die Kerzen finden immer noch Verwendung, aus der Tischdecke werden wir noch Taschen, Küchentücher und Vorhänge machen können (falls wir die Wachs- und Weinflecken noch entfernen können). Statt Blumen zu kaufen, durften wir Hortensien-Töpfe mieten, die wir erst am Rednerpult und später am Scheuneneingang platzierten. So blieben wir nicht auf den vielen Blumen sitzen.

Nicht alle müssen zur Hochzeit eingeladen werden. Nur weil ihr verwandt seid oder vor langer, langer Zeit gemeinsam zur Schule gegangen seid, muss nicht jeder nicht Teil eurer Hochzeitsgesellschaft werden. Nehmt eure Wünsche, aber auch euer Budget ernst und kommuniziert klar, dass ihr nicht das Geld habt (oder ausgeben wollt), um jeden einzuladen. Je nachdem wie intim die Hochzeit werden soll. Die entfernten Verwandten freuen sich sicherlich auch über eine nette Karte und ein paar Fotos im Anschluss der Hochzeit. So könnt ihr euch während der Hochzeit um jeden kümmern, ohne dass einer zu kurz kommt und könnt euch vor allem sicher sein, dass eure Gäste wirklich gerne mit euch zusammen feiern. Wir haben mit rund 100 Gästen etwas größer gefeiert und haben uns für fast alle Gäste genügend Zeit nehmen können. Es hat unheimlich geholfen die Hochzeit auf drei Tage zu verteilen.

Überlegt, ob die Hochzeit auch auf den Abend vorher oder einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Tag erweitert werden kann. Rund ⅔ reisten bereits am Freitag zum Get-together an. Dieser Abend war durch Lagerfeuer-Romantik dominiert. Getränke waren in der Schubkarre und Kellner war, ganz freiwillig, Julias kleiner Bruder. Das Spanferkel samt Beilagen hatten wir bestellt. Die Salate und das Kuchenbuffet kam von Julias Mama und ihren Freundinnen. Auch beim Frühstück waren dann ⅔ wieder dabei und man hat sich ausgetauscht, den Kater mit Weißwurst und einem leckeren Frühstücksbuffet bekämpft. Das Essen dazu hatten wir vorab eingekauft und durch die Weddingplanerin aufbauen lassen. So konnten wir von Freitag Mittag bis Sonntag Nachmittag einfach für uns und unsere Gäste da sein. Dazu haben wir noch grandios ausgesehen :)

Darum geht es schließlich, nicht die perfekten Instagram-Momente zu inszenieren (ein klein wenig für den Fotografen, wenn gewünscht), sondern einfach sich hineinzustürzen und diese unvergesslichen Augenblicke zu genießen.“

Hochzeitsdienstleister:

Fotografie: Nils Hasenau – whitemeetsblack

Location: Gutshof Langensee

Brautstyling: privat

Brautkleid: Anna Kara

Anzug Bräutigam: Suitsupply

Catering: Pieper Catering, Landfleischerei Wiechmann

Floristik: Blumengeschäft Sabine Mallin, Bützow

Traurednerin: Lena Johanna Schmitt 

Band & DJ: Zinedine Tsigane und Dew Decker

Eventtechnik Musik: arentis Eventtechnik

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