Während uns gestern Redner-Profi Sabine von „Traubar“ verraten hat, wie sie Traurednerin geworden ist und wie sich ein typischer Ablauf während der Hochzeitsplanung gestaltet, berichtet euch heute Johann-Jakob Wulf von Strauß & Fliege, warum Musik eine freie Trauung so viel schöner macht. Johann moderierte Anfang 2016 unter anderem den Love Circus BASH in Berlin und München so souverän, dass seine Trauung einfach nur gut sein können. (Apropos: An diesem Samstag und Sonntag findet der diesjährige BASH in Berlin in der Heeresbäckerei statt – auch mit einem Strauß & Fliege-Workshop für Paare, also hin da! Und hier gibt’s Tickets!)

Und hier geht’s los mit dem heutigen Interview – und einem besonderen Song-Tipp!straussundfliege_2Lieber Johann, als den „Mann mit Hut“ kennt man Dich in der Hochzeitsbranche, als Hochzeitsredner von „Strauß & Fliege“ schreibst Du Reden fürs Standesamt und begleitest Brautpaare an ihrem großen Tag. Was macht für Dich das Besondere an Freien Trauungen aus?

Viele Paare haben aus unterschiedlichen Gründen keine Lust mehr, sich mit der Kirche zu beschäftigen und wollen darum auch nicht kirchlich heiraten. Nur zum Standesamt gehen, ist den meisten aber zu profan! Ihnen ist ein Fest wichtig, um den Trauakt symbolisch zu begehen, quasi als Ersatzhandlung zur kirchlichen Zeremonie und als Erweiterung zum staatlichen Akt.

Eine Freie Trauung bedeutet für mich aber nicht, dass sie beliebig ist. Ich habe eine gewisse Idee im Kopf, was ich den Paaren mit auf den Weg geben will und vielen ist es auch wichtig, dass sie als Paar im Mittelpunkt stehen und nicht irgendein Thema, mit dem sie nichts anfangen können. Die Paare möchten frei von etwas sein, könnte man sagen.

Frei bedeutet dann genauso, frei zu sein – zum Beispiel auch Wünsche von Freunden und Familien in eine Zeremonie einzubauen. Und wenn da jemand dabei ist, der noch Gottes Segen wünschen will, dann finde ich es wichtig, dass dieser Person auch der Raum dafür gegeben wird, ohne dass das Paar sich eingeengt fühlt. Da muss man viel mit den Paaren und den Gästen gemeinsam überlegen und das machen wir von „Strauß&Fliege“ sehr gerne.

Ich selbst bin noch in der evangelischen Kirche und kann auch mit den ganzen Riten und Traditionen viel anfangen. Bei meinen Trauungen mache ich aber keinerlei religiöse Anmerkungen oder Ähnliches. Wer das möchte, ist in der Kirche viel besser aufgehoben und sollte da auch hingehen.

Deine Kollegen und Du beschreibt euer Konzept mit den Worten „Freie Zeremonien mit traditionellen Elementen zu verbinden“ – wie kann man sich das vorstellen?

Unsere Trauungen gestalten sich ohne jede religiöse Komponente, aber dennoch traditionell im Ablauf. Das heißt, dass bestimmte Elemente wie Eheversprechen und Wünsche von Freunden und Familie (in der Kirche würden wir Fürbitten sagen) natürlich vorkommen. Ich habe einen Ablauf im Kopf und gehe diesen mit den Paaren durch. Dieser Ablauf ist sehr traditionell und beginnt in der Regel mit dem Einzug der Braut.

Ich bin da sehr flexibel, wenn Paare die Reihenfolge ändern wollen oder Elemente addieren beziehungsweise irgendwas reduzieren wollen. Ich kann aber auch immer gut erklären, warum ich der Meinung bin, dass dies und jenes so und so gut beziehungsweise nicht so gut ist.

Da ist es mir wichtig, dass die Paare sich wohl fühlen. Aber ich muss mich auch wohlfühlen, sonst kann ich ja keine glaubwürdige Zeremonie abhalten. Daher muss ich manchmal auch passen, wenn zum Beispiel Paare gerne ein Glas zertreten wollen, dann aber nicht wissen, woher dieser jüdische Brauch kommt und warum sie das eigentlich wirklich wollen. Da ist es mir dann wichtig, mich nicht zu verbiegen. Traditionelle Elemente in einer Zeremonie müssen mir klar erklärt werden. Diese müssen für das Paar und auch für mich einen Sinn ergeben, sonst macht man sich doch irgendwas vor, oder?

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Musik gibt einer freien Zeremonie nicht nur einen besonderen Klang, sondern auch viel Gefühl. Wie lässt sich ein Sänger oder eine Band am schönsten in den Ablauf mit einbeziehen? 

Für mich stellt sich die Frage fast gar nicht, denn ohne Musik ist alles nichts. Ich spreche das mit meinen Paaren durch und ermutige sie, handgemachte Musik in die Zeremonie einzustreuen. „Strauß&Fliege“ arbeitet mit ein paar fantastischen Musikern zusammen, die ich auch gerne in meinen Trauungen habe, weil ich mich 100% auf sie verlassen kann. Ich freue mich aber auch immer, wenn das Paar eigene Musiker mitbringt, zum Beispiel wenn die Geschwister auf einmal einen Chor bilden oder die Nichten auf der schiefen Geige spielen. Das ist so ehrlich und liebevoll, wunderbar! Von daher gilt: Musik muss sein! Ob es nun der Junge mit der Gitarre ist oder die Band, die dann auch noch am Abend zockt, dass spielt keine Rolle!

Ah! Eine Sache ist mir noch wichtig: Ich spreche mit den Paaren auch die Liedauswahl durch… ich weiß beispielweise, dass „Halleluja“ von Leonard Cohen ein sehr schönes Musikstück ist. Aber es ist nun mal einfach kein Hochzeitslied. Punkt. Deswegen ermutige ich die Paare, bei den Liedern auch auf den Text zu achten, der gesungen wird! Ich habe zum Beispiel letztens erst das wunderbare Lied „Baby, would you marry me“ von Svatar Knutur entdeckt! Das ist fein und – ehrlicherweise – noch nicht todgespielt. Solche Lieder empfehle ich dann gerne!

Für eine freie Trauung gibt es ja kein „Schema F“ – aber welche Rituale und gestalterischen Elemente sind bei Deinen Paaren besonders beliebt?

Das schließt ein bisschen an die Frage oben an. „Schema F“ sicherlich nicht, nein. Aber ein fester Ablauf hilft am Ende allen. Den Paaren, weil sie sehr aufgeregt sind. Den Gästen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet, und dem Redner, weil er ja am Ende – in unserem Fall sprichwörtlich – den Hut auf hat. Wenn da alle wackeln und weinen und nicht wissen, was als nächstes kommt: Der Redner muss ganz klar wissen, wo man sich im Ablauf befindet und was als nächstes kommt. Diese Ruhe muss er auf alle anderen ausstrahlen und dann kann man auch alle Unsicherheiten umschiffen. Und wenn dann was Kleines schief geht: Who cares?

Mir ist mal Folgendes passiert: Ein Paar von mir hat immer keine klaren Angaben gemacht, ob und wenn ja wie sie eine Ringübergabe gestalten wollen. Und irgendwann habe ich gedacht, dass es wohl keine gibt, weil ich auf meine Nachfragen keine Antwort gehört habe. Und dann bei der Zeremonie beim letzten (!) Lied haben die beiden mich angeschaut und so eine „Wo ist der Ring“-Geste gemacht. Ich bin dann zu ihnen hin, hab erfahren, dass sie doch einen Ringwechsel haben wollen und bin dann mit ihnen nochmal in die Mitte gegangen und habe den Ringtausch angeleitet. Der Band habe ich dann schnell noch ein Zeichen gegeben, die erste Strophe vom Lied noch einmal zu spielen. Und eigentlich war das dann der beste Moment der Zeremonie, weil alle gelacht haben und Edward Shape‘s „Home“ so wunderbar in diesen Moment gepasst hat.

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Und verrätst Du uns zum Schluss noch Deine liebsten Orte für eine Freie Trauung?

Hui… das ist ja eines der großen Geschenke eines Trauredners, dass er einfach so wahnsinnig tolle Orte sehen darf. Ich durfte ja auch schon ein paar Mal ins Ausland, Sizilien war toll. Oder auch bei null Grad auf einer Alm – mitten im Hochsommer! Wichtig ist mir eines: Mich interessiert, wie die Dienstleister an einem Ort zusammenarbeiten. Wenn die Locationinhaber den anderen Dienstleistern das Gefühl geben, dass sie uns helfen, eine gute Hochzeit zu gestalten, dann ist fast jeder Ort toll!

Aber ich habe auch mal erlebt, dass Locations nen Schuss haben. So war ich mal bei einer Location, wo eine Art Altar vorne stand, den ich nicht brauche. Ich habe die dann gefragt, ob man den Tisch vielleicht wegräumen kann, ich helfe auch gerne dabei. Und was sagt die Inhaberin: „Denk ihn dir doch weg.“ Ich hätte mir am liebsten sie weggedacht, weil das einfach so dämlich, unfreundlich und nicht hilfsbereit war… schlimm.

Aber das sind Einzelfälle, mit 99% der Locations arbeitet „Strauß&Fliege“ sehr gut zusammen, weil diese ja auch wissen, dass wir als Zermeonienleiter ganz entscheidend sind, dass der Tag mit der Zeremonie gut losgeht und sich die Stimmung von da auf den ganzen Tag ausprägt. Daher sind wir auch sehr dankbar, dass wir von ganz vielen Locations auch empfohlen werden!

 

Herzlichen Dank, lieber Johann, für diesen Einblick!

Und morgen geht es hier heiter weiter mit der Themenwoche. Gibt es dabei Punkte, die euch besonders interessieren? Kommentiert gerne unten eure Fragen und Ideen!

Liebe Grüße vom Lieschen

 

 

Bilder (von oben nach unten): Hochzeitsfotografin Pentzlin, Kitty Fried Photography, My Funky Wedding

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