Gestatten, Hochzeitsblogger.

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hochzeitsgesellschaft_pinkpixelSeit dem letzten Hamburger Wedding Meetup juckt es mir schon in den Fingern – und als ich am Freitag in der vorgezogenen Mittagspause während des Reportage-in-den-Blog-Klöppelns die neuste Folge von „Uncle Bobcast“ hörte, da war klar: Ich sollte mal wieder einen neuen Artikel über das Thema Einsendungen schreiben. Gesagt, getan!

Uncle Bobcast, das ist der neue Hochzeitsfotografie-Podcast der beiden Hochzeitsfotografen Nils Hasenau und Manuel Gutjahr aus Berlin. Auch für Nicht-Fotografen ziemlich spannend, finde ich! In der aktuellen Ausgabe spricht Nils in Dresden mit Kollegin Judith Ziegenthaler von timjudi.de über Hochzeitsblogs.

Als Hochzeitsbloggerin musste ich da natürlich genau hinhören – und habe mich gefreut (über die netten Erwähnungen von Lieschen-heiratet.de – merci, Ihr Lieben!), gelacht, die Stirn gerunzelt, mich ein bisschen geschämt (Judith, also was mit eurer Einsendung damals passiert ist? Ääääh, ich habe keinen blassen Schimmer – sorry!) und mir ganz viel notiert. Und beantworte sehr gerne einige Fragen aus meiner persönlichen Sicht, die sich Fotografen über Hochzeitsblogger so stellen.

Warum brauchen Hochzeitsblogger manchmal so lange zum Antworten?

Judith bringt es im Podcast gut auf den Punkt: nur wenige der professionellen deutschen Hochzeitsbloggerinnen betreiben ihren Blog tatsächlich in Vollzeit und mit einem Team. Vielmehr arbeiten die meisten alleine, verdienen oft mit einem Teilzeitjob oder einer Freelancer-Tätigkeit ihren Lebensunterhalt und bearbeiten ihren Blog also in Teilzeit. Brotjob vs. Herzblut.

Beispielsweise habe ich mich durch meinen beruflichen Hintergrund für einen Dreiklang aus 3 Jobs entschieden, die alle rund um die Hochzeitsbranche ineinander greifen: Kommunikationsberatung (Fleißiges Lieschen. Kommunikation) – Blog (Lieschen-heiratet.de) – Coaching/Workshops (Hochzeitsgesellschaft.org). Mir persönlich stehen aktuell pro Woche daher rund 15 Stunden Arbeitszeit für den Blog zur Verfügung, in denen alles passieren muss – sonst wird daraus schnell wieder eine Nacht- oder Wochenendschicht (jup, heute auch mal wieder), was aber auch okay ist – ganz viel Herzblut für mein Blogbaby eben, dafür brenne ich. Aber: die Zeit ist einfach immer ganz schön knapp, huiuiui, da darf eigentlich nichts Unerwartetes dazwischenkommen.

Aber zurück zur Frage: Um ehrlich zu sein, das Postfach ist Freund und Feind eines jeden Hochzeitsbloggers! Zum einen finden wir dort die tollsten Einsendung, aber auch den größten Schrott. Einsendungen, Pressemitteilungen, Kollektionsmeldungen, Gastbeitrag-Anfragen, SEO-Anfragen, Braut-Fragen, Banner-Anfragen, Werbung, Spam. Ein breiter Potpourri an E-Mails ergießt sich da täglich ins Postfach – und jede einzelne Mail muss gesichtet werden. Ich freue mich immer, wenn ich einen bekannten Namen entdecke – dann ist es meistens was gutes und das Sichten und Antworten macht Spaß. (Die lese ich auch meistens zuerst, höm.) Um dieses Volumen einzudämmen, bearbeite ich das Postfach meistens nur an ein oder zwei Tagen in der Woche – sonst kommt einfach der wichtigste Teil zu kurz: das Schreiben und Kuratieren des Blogs. Es kann aber durchaus vorkommen, dass mein Blog-Postfach auch eine Woche ruhen muss, wenn in meinem Job als Kommunikationsberaterin ein (Workshop-) Kunde einen dringenden Auftrag für mich hat. Daher sind Antwortszeiträume von bis zu 10 Werktagen fast normal.

Warum muss man als Fotograf so viel Vorarbeit für eine Einsendung leisten?

Eine Hochzeitsreportage für den Blog mit allen Schritten (Abstimmung, Bild-Upload, Texterstellung, finale Abstimmung, Veröffentlichung) gut vorzubereiten, dauert durchschnittlich mindestens 3 Stunden bei mir und den meisten Bloggerkolleginnen, die ich persönlich kenne. Wenn alle Details wie Dateinamenbenennung, Bildbreite und Auflösung stimmen – ansonsten liegt man schnell bei 5 Stunden Arbeit. Denkt man an unser aller Zeitnot also an die Vorarbeit der Fotografen, ist diese wirklich eine enorme Hilfe, für die jeder Hochzeitsblogger dankbar ist. Liebe Fotografen, many thanks!

Warum dauert der Vorlauf manchmal 6-8 Wochen bis zur Veröffentlichung?

Die Planung, das nächste große Thema! Was waren das noch für schöne Zeiten, als man eine Idee hatte, das Macbook aufklappte und einfach einen Artikel schrieb und sofort postete. Heute hat sich die komplette Hochzeitsbloggerszene stark professionalisiert. Bis Ende vergangenen Jahres habe ich mich mit Händen und Füßen gegen das starre Konstrukt eines Redaktionsplans gewehrt – was öfters dazu führte, dass Reportagen wie Blei im Ordner lagen. Und lagen. Und lagen. Und dann plötzlich nicht mehr passten. Oder verschwanden, im Nirvana der Dropbox. Und dann die betroffen Fotografen schwer irritiert waren – zu recht!

Seit Dezember 2015 gibt es bei mir persönlich nun auch einen Redaktionsplan, ich kann für jede Einsendung sofort nach Zusage eine Kalenderwoche als voraussichtlichen Veröffentlichungszeitraum nennen. Die Freiheit, dann nach Lust, Laune und Einfällen die Artikel zu posten, geht dadurch leider ein bisschen flöten (farblich und inhaltlich abgestimmte Artikelbilder auf der Startseite? No more!), aber in der professionellen Zusammenarbeit erleichtert dies einiges. Der Blog schnurrt gerade wie frisch geölt – und das freut mich total!

Tatsächlich kommt durch die Menge der Einsendungen und einer Posting-Frequenz von 1-2 Reportagen/Styled Shoots pro Woche bei Lieschen-heiratet.de ein redaktioneller Vorlauf von 6-8 Wochen zu Stande. Manchmal kann aber auch eine Einsendung so gut zu einer Themenwoche oder anderem Artikel passen, dass ich diese spontan einschiebe.

Was bringt eigentlich eine Veröffentlichung auf einem Hochzeitsblog?

Reichweite, Backlinks, Fame, Bräute, Buchungen, Klicks, SEO? Da kann ich eigentlich nur sagen: Stimmt alles. Der Rekord war wohl der Hochzeitssänger, der nach einem Blog-Interview innerhalb weniger Stunden ein Drittel seiner Saison gebucht hatte.

So, huch, das ist eine ganz schöne Textwüste hier geworden. Aber mir machen ja die Business-Themen rund um die Hochzeitsszene großen Spaß (mehr dazu drüben bei der Hochzeitsgesellschaft!). Und falls ihr noch weitere Fragen loswerden wollt – stellt sie gern hier in den Kommentaren, ich bin gespannt!

Liebe Grüße vom Lieschen

 

Bild: Pink Pixel Photography

Das fleißige "Lieschen" heißt im echten Leben Susanne Rademacher - hallo! 2012 startete ich einen der ersten deutschen Hochzeitsblogs, der mittlerweile zu den beliebtesten in Deutschland zählt. Seit meiner eigenen Hochzeit dreht sich hier aktuell alles um urbane Hochzeiten für moderne Bräute. Neben meinem Blog-Projekt arbeitete ich als Autorin sowie als Business Coach für Selbständige, Kreative und Hochzeitsdienstleister (www.hochzeitsgesellschaft.org). Mit meinem Mann und kleinem Sohn lebe ich im Süden von Hamburg. Und wenn ich mal nicht in die Tasten haue, stecke ich meine Nase gerne in ein gutes Buch, turne auf meiner Yogamatte oder tuckere mit unserem orangefarbenen VW-Bulli durch die Gegend.

Kommentare (8)

  1. Susanne, ein Wort: DANKE! Ok, und: Liebe Grüße aus dem Süden in den Norden!

  2. Liebes Lieschen,
    ich danke dir sehr für deinen Artikel – vor allem für deine Zeit, die du hier für uns Hochzeitsfotografen vergibst! Du machst das großartig! Bitte, bitte mehr davon.
    Die Michaela

  3. Pinkback: Lohnt sich eine Einsendung für Hochzeitsfotografen? - Hochzeitsgesellschaft

  4. Vielen Dank für diesen spannenden Einblick hinter die Kulissen!

    LG
    Sandra

  5. Hach, einfach schön. Es macht unglaublich viel Spaß, Deine Texte zu lesen – egal, worum es geht :-)

  6. Hallo Lieschen (bezaubernder Name btw),
    eine ganz tolle Seite hast Du hier! Ich finde sie ist voll von schönen Fotos und Informationen. Nun habe ich auch richtig Lust, mal eine Reportage mit Dir zu teilen. Vielen Dank für diese schönen Inspirationen!

    Alles Liebe,

    Vanessa

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