herz_der_ehe

Lieschen und Hochzeitsspiele, das ist ungefähr so wie der Veganer und das Mettbrötchen. Nämlich nicht kompatibel.  Okay okay, wir haben nach unser standesamtlichen Trauung das „Herz der Ehe“ sprich „Herz auf Bettlaken“ auch überlebt und uns sehr über die Geste unserer Freunde gefreut. (Und – huch – ich habe sogar das obige Foto-Bettlakenherz selbst für eine Familienhochzeit gepinselt… ähäääm, ich lehne mich hier also ganz weit aus dem Fenster…)

 

Als Hochzeitsneuling findet man ja im Internet wunderbare Listen mit allen Hochzeitsspielen dieser Welt und – huaaaaah – im schlimmsten Fall denken Brautpaare und Gäste, eines dieser Hochzeitsspiele würde unbedingt dazu gehören! Nein, nein, nein, tut es nicht! Denn einige durfte ich schon live erleben. Nennt mich Großstadtsnob, aber das wollt ihr nicht. Ganz ehrlich.

 

Ich denke da gerade an „Maler Pierre“ zurück: „Mein Name ist Pierre, isch bin gekommen extra aus Paris hierher mit die Helikopter. Von Beruf bin isch Maler und isch möchte Ihnen zeigen einige von meine Bilder. Aber isch nicht male mit Farbe und Leinwand, isch male mit Menschen….“ Malen mit Menschen??? Ja. Malen. Mit. Menschen. Hochzeitsgäste, die von der fleißigen Assistentin auf die Tanzfläche gezerrt werden und die sich zu doppeldeutigen Sprüchen dann zum Horst machen dürfen. Ähm, fluchtartige Massenbewegungen Richtung WC und Raucherterrasse waren die Folge. Und die gute Stimmung für eine halbe Stunde quasi nicht mehr vorhanden.

 

Eigentlich ja sehr süß, aber nach der dritten Einlage zwischen den Menügängen reichte es irgendwann auch: die liebe Oma, die unbedingt Witze aus den 60ern erzählen musste. Irgendwie nur lustig für alle über 80. Da hätte der Zeremonienmeister ein charmantes Veto einlegen sollen.

 

Und dann – Landkindheit lässt grüßen – der Schleiertanz! Es gibt da ja verschiedene Varianten, gerne auch mit einem Ersatzschleier aus Tüll:

 

A) Das Brautpaar tanzt unter dem Schleier und im Anschluss mit jedem Gast, der Geld auf den Schleier wirft.

 

B) Der Schleier wird von allen Gäste zerrissen – denn ein Stück Schleier soll Glück bringen! Ich las auch in einigen Foren, dass der Gast mit dem größten Stück im Anschluss den Kinderwagen bezahlen/als nächstes heiraten/was auch immer tun muss. Huch!

 

C) Der Schleier wird auf das Brautpaar fallen gelassen, damit man endgütlig unter der Haube ist.

 

Mal ganz ehrlich, ist es nicht mal langsam Zeit für schöne, moderne und vor allem für das Brautpaar nicht lächerliche Varianten? Denn das sollte wirklich klar sein: Bei der Hochzeit ist das Brautpaar heilig! Peinliche Aktionen, schweißtreibende Baumstammsägeaktionen oder stundenlange Brautentführungen braucht wirklich keiner. Durchdacht, kurz und knackig – ja, bitte! Wenn Spiele, dann wirklich nur solche, die allen Beteiligten Spaß machen und Freude bereiten. Oder falls sich das Brautpaar ein traditionelles Spiel extra gewünscht hat, dann ist es auch völlig okay.

 

Doch zuerst zu meiner – ganz persönlichen und total objektiven – Horror Top 5. Und jetzt bitte nicht beleidigt sein, wenn genau diese Spiele der Knaller auf eurer Hochzeit waren! Ich lasse mich ja immer sehr gerne belehren, nech?

 

Top 5 der schlimmsten Hochzeitsspiele

 

1 – „Die Glocken von Rom“: Nein, man möchte nicht einen Teil seiner männlichen Gäste nur mit Boxershorts und Glocken bekeidet auf der Tanzfläche wieder finden, wo sie zu Musik eben diese in der Schrittpartie schwingen. ODER???

 

2 – Sockenhacken: Folgendes Szenario: Mann packt für die Hochzeitsfeier eines seiner besten Paar Socken ein. Und zerhackt (!!!) diese ohne sein Wissen später auf der Tanzfläche, um dann mit einem billigen Paar weißer Tennissocken den restlichen Abend zu verbringen. Also ich wäre dann ziemlich bedient…

 

3 – Der Papierwalzer: Nein, nein, nein, wir wollen als Brautpaar nicht noch einmal auf die Tanzfläche, um dann bei Tanzen mit bis zu acht Rollen Klopapier eingewickelt zu werden. Oh weia. Haben die noch nie was von Brautstyling gehört?

 

4 – Bräutigam füttern: Welcher erwachsene Mann möchte sich bitte vor den Augen aller Freunde und Verwandten von seiner Braut von hinten füttern / die Zähne putzen / kämmen lassen? Und das mit einem Babykostüm? Ähm. Keiner.

 

5 – „Die Täuschung“: Junges Mädchen zieht eine alte Schachtel an der Schnur, die Männer folgen zu Musik. Dann sagt ein Gast ins Mikro: „Liebe Männer, ihr dachtet wohl, ihr seid hinter einem hübschen Mädchen her, dabei habt ihr nur eine alte Schachtel verfolgt!“ OMG, schlimmer geht’s nimmer. Und Klischeebeladener auch nicht. 

 

 

Ansonsten gibt es natürlich noch zahlreiche Kategorien von Hochzeitsspielen:

  • Kennlernspiele. Na guuuuut.
  • Gruppenspiele. Gibt es in allen Stufen der Peinlichkeit.
  • Sämtliche Spiele, die einen oder mehrere Stühle involvieren (bspw. das Kutscherspiel oder die Reise nach Jerusalem).
  • Spiele mit Rosen wie den Rosentanz oder das Rosengedicht. (Rote Rosen kommen hier auch bald auf den Blog-Index.)
  • Tanzspiele, unter dem Regenschirm oder Schleier. Oder mit KLOPAPIER.
  • „Etwas andere Reden“, Gedichte, Vorträge – beispielsweise der Maler Pierre oder die Hausiererin.

Wer einfach mal ein wenig schmunzeln will, kann die Spiele gleich mal im Internet suchen.

 

Viel schöner als altmodische Hochzeitsspiele sind doch ganz persönliche Aktionen! Mit recht überschaubarem Aufwand kann man beispielsweise eine Luftballon-Aktion oder ein Fingerabdruck-Gästebuch individuell, schön und liebevoll gestalten und dem Brautpaar eine Freude bereiten.

 

Ich habe auch schon Live-Performances von Sister Act bis Peter Fox ganzer Familien erlebt, von Tanz-Flashmobs der gesamten Hochzeitsgesellschaft gelesen und auf unserer eigenen Hochzeit wurden wir von allen (!) Freunden mit einer Gesangseinlage überrascht – das sind Gesten, die man sein ganzes Leben mit sich im Herzen tragen wird! Zwar wesentlich Vorbereitungsintensiver im Vorfeld, aber so schön!

 

Also, frühzeitig mal den Freundeskreis befragen und losplanen – viel Spaß!

 

Liebe Grüße vom Lieschen

 

PS: Und wer jetzt denkt, dass man auch unbedingt Strumpfband und Brautstrauß werfen müsste – ähm nein. Man muss auf seiner eigenen Hochzeit gar nichts. Und eure ähnlich denkenden Freundinnen werden es euch danken.

 

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